Gerald Tomez


Makeup Pioniere

Der Beruf des Maskenbildners ist aus dem des Theaterfriseurs entstanden.

Die Schauspieler hatten für jede Situation ein Repertoire an einstudierten akrobatischen Kunststücken, Gesten, Körperhaltungen und sprachlichen Mitteln parat. Improvisationen mit diesem Repertoire waren wesentlicher Teil der Vorstellungen, für die lediglich eine knapp beschriebene Szenenfolge (canevas oder canavacchio) vorher festgelegt wurde. Schlagfertige Bemerkungen, die sogenannten „battute“, wurden von den comici aufgezeichnet und durch Lektüre klassischer Werke ergänzt. Damit waren sie auch ihr eigener Autor. Die lazzi, Späße, waren ein zentraler Bestandteil ihres Repertoires. Die von den Schauspielern präsentierten Figuren mit ihren jeweils festgelegten Eigenschaften wurden, abgesehen von den innamorati, den Liebenden, stets mit Halb-Gesichtsmasken und charakteristischen Kostümen dargestellt.

Erst nach der Erfindung des Filmes entwickelte sich daraus ein eigenständiger Beruf, der den Anforderungen des neuen Mediums Film punkto Frisur und Makeup rasch gerecht werden musste. Vor allem nach dem Ende der Stummfilm-Ära mit ihren Aufnahmen in Schwarz/Weiß und dem Beginn der Farbfilme in den 1940er Jahren musste sich der gesamte Bereich rund um den Maskenbildner bezüglich Materialien, Techniken und Umsetzung rasch neu gestalten.

Max Factor und Ben Nye entwickelten aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen als Maskenbildner die ersten Makeup Artikel für den professionellen Gebrauch. War anfangs das Aufgabengebiet noch sehr überschaubar und auf Makeup, Frisur und Bart reduziert, so ist heutzutage das Arbeitsgebiet sehr umfangreich.

Durch immer neue technische Errungenschaften und Materialien wird die Bandbreite des Möglichen immer größer, durch Digitale Medien die Auflösung immer besser und all dies stellt immer höhere Anforderungen an das Können eines Maskenbildners.

Daher muss der Maskenbildner von heute sein Wissen und Können ständig überprüfen und sich regelmäßig über den neuesten Stand der Technik und Materialien informieren und muss sich demzufolge auch handwerklich laufend weiterbilden.

Diese Entwicklung führt zwangsläufig dazu, dass es auch in diesem Beruf zu einer immer größeren Spezialisierung kommt.
Früher genügte eine Grundausbildung, die fast immer eine abgeschlossene Friseurausbildung voraussetzte.

Heute ist dies nicht mehr ausreichend, da die Friseurlehre nicht mehr so umfassend ist wie vor ca. 30 Jahren und das Anforderungsprofil eines Maskenbildners ein anderes geworden ist.

Zum Vergleich:

Anforderungsprofil FilmmaskenbildnerIn 1940

  • Friseurkenntnisse bezüglich Ondulation, Wellenlegtechniken , Einlegetechniken, Dauerwelle und Haarschnitt (Dame, Herr, Perücke)
  • Schminktechniken inklusive Schattierungen u. Charakterzüge 
  • Knüpfarbeiten und Haararbeiten
  • Bartmode/Rasur

Anforderungsprofil FilmmaskenbildnerIn 2012

  • Traditionelle und moderne Schminktechniken
  • HD Makeup / Airbrush Makeup
  • Umfassende Materialkunde
  • Werkszeugkunde
  • Frisiertechniken klassisch und modern
  • Haarschnitt Herr, Dame, Perücke
  • Färbetechniken / Dauerwelltechniken
  • Haarpräparation Grundkenntnisse
  • Ondulation
  • Special Effect Makeup
  • Charakter Makeup
  • Grundkenntnisse Formenbau und Prosthetics
  • Applikation und Coloration von Prosthetics
  • Licht und Kameratechnik Grundkenntnisse 
  • Historische Frisuren in Theorie und Praxis
  • Historische Bartmode in Theorie und Praxis
  • Rasur
  • Abdruck nehmen und Modellieren
  • Aus der Hand gelegtes Facial Hair
  • Filmgerechtes künstlerisches Haararbeiten
  • Anatomisches Entwurfzeichnen
  • Kenntnisse Buchhaltung und Disposition
  • Haarverlängerung/ Haarverdichtung 
  • PC Grundkenntnisse Word, Excel, Bildbearbeitung
  • Einfühlungsvermögen, bildhafte Vorstellung
  • Flexibilität und Teamfähigkeit
  • Kreativität
  • Starkes Gefühl für Form und Farben
  • Gestalterisches Denken
  • Fachenglisch

Daher ist es vor allem in Österreich zwingend notwendig solche Ausbildungen zu schaffen. Mehrere Ansätze dazu gibt es bereits, wir werden über die neuesten Entwicklungen berichten.

Im Artikel " Wie werde ich Maskenbildner" sind Informationen über und Links zu Ausbildungsmöglichkeiten im In – und Ausland zu finden.

Vor allem sind Maskenbildner jedoch wichtige künstlerische Mitarbeiter der Ausstattungsbereiche von Film und Fernsehen. Ihre gestalterischen Fähigkeiten, ihre Kreativität, ihre handwerklichen Fertigkeiten, und ihr Einfühlungsvermögen befähigen sie, überzeugende „echte“ Erscheinungsbilder von Darstellern zu realisieren.

Die erfolgreiche Umsetzung von Regiekonzeptionen erfordert Maskenfindungen, die eine Identifikation des Darstellers mit seiner Rolle erleichtern.

Die Entwicklung von Farb- und Formgefühl ist die Grundlage für die stilsichere Erarbeitung von maskenbildnerischen Lösungen für die Umsetzung einer Geschichte bezüglich Emotionen und Geschehnissen nach historischen Vorlagen und zeitgenössischen Anforderungen.

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